Indholdsfortegnelse
Psychologie und anderssein 2
Plötzlich sah die Welt ganz anders aus 2
Stationenlernen: 2
Thema: Mobbing und Demütigungen, Ausrasten und Amok 1
Inhalt: 1
Kurzgeschichte 1
Textverständnis „Jürgen oder Ausgerastet!” 4
Grammatikaufgaben zum Text ”Jürgen oder ”Ausgerastet”!” 7
Schwarzfahrer 8
Manuskript: 8
Schreiben Sie eine kurze Zusammenfassung 10
Schreiben Sie die Sätze 10
Durchgeboxt 12
Fragen zum Text 12
Textverständnis 12
Personalpronomen 13
Jana Frey: Ich, die andere ((2007) 14
Fragen zum Text 14
Textverständnis 14
Possessive Pronomen 15

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Uddrag
Plötzlich sah die Welt ganz anders aus
Morgen ist heute gestern - und mit einem Fingerschnipp kann sich alles in deinem Leben ändern. Große Sorgen können entstehen oder dein größter Traum kann in Erfüllung gehen. Plötzlich sieht die Welt ganz anders aus.

Natascha Kampusch (geboren 1988)
Die Österreicherin Natascha Kampusch ist mit 10 Jahren auf ihrem Schulweg von Wolfgang Priklopil entführt worden.

In seinem winzigen Kellerverlies lebte sie nun 8 Jahre lang. Endlich, mit 18 Jahren, ist es Natascha gelungen, aus dem Gefängnis zu flüch¬ten.

Später hat Natascha Kampusch in einem Interview gesagt: "lch bin für mein Leben geächtet. Das heißt: Ich habe einen Stempel auf der Stirn und darauf steht, Gewaltopfer! Es wird mir nie oder selten jemand wertfrei begegnen können.

Nur wenn ich dann älter werde, wird es Menschen geben, die mir wertfrei begegnen können, weil sie die Zeit nicht miterlebt haben."

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Buch 3096 Tage, das Natascha Kampusch über ihre Gefangenschaft geschrieben hat. Im Auszug erzählt Natascha von ihrem Leben nach der Flucht und vom Wiedersehen mit ihrer Familie.

3096 Tage (Natascha Kampusch, 2010)
Ich erkannte meine Mutter sofort, als sie die Polizeidirektion Wien betrat. 3096 Tage waren seit dem Morgen vergangen, an dem ich grußlos die Wohnung am Rennbahnweg verlassen hatte.

Achtein¬halb Jahre, in denen es mir das Herz zerrissen hatte, dass ich mich nie entschuldigen konnte.

Eine ganze Jugend ohne Familie. Acht Weihnachten, alle Geburtstage vom elften bis zum achtzehnten, unzählige Abende, an denen ich mir ein Wort von ihr, eine Berüh¬rung gewünscht hatte.

Jetzt stand sie vor mir, fast unverändert, wie ein Traum, der sich ganz plötzlich in der Realität materialisiert.

Sie schluchzte laut auf und lachte und weinte zugleich, als sie durch das Zimmer auf mich zulief und mich umarmte, "Mein Kind! Mein Kind, dass du wieder da bist! Ich habe immer gewusst, dass du wie-derkommst!" Ich atmete tief ihren Duft ein. "Dass du wieder da bist" flüsterte meine Mutter, immer wieder. "Natascha - du bist wieder

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Zwei Wochen nach meiner Selbstbefreiung entschloss ich mich, den Spekulationen ein Ende zu setzen und meine Geschichte selbst zu erzählen.

Ich gab drei Interviews: dem österreichischen Fernsehen, der größten Tageszeitung des Landes, der Kronenzeitung, und dem Magazin News.

Vor diesem Schritt an die Öffentlichkeit hatte ich von vielen Seiten den Rat bekommen, meinen Namen zu wechseln und unterzutauchen.

Man sagte mir, dass ich sonst niemals eine Chance auf ein normales Leben haben würde. Aber was ist das für ein Leben, in dem man sein Gesicht nicht zeigen kann, seine Familie nicht sehen darf und seinen Namen verleugnen muss?

Was wäre das für ein Leben, gerade für jemanden wie mich, der an der Zeit in der Gefangenschaft darum gekämpft hat, sich nicht zu verlieren? Trotz all der Gewalt, der Iso¬lation, der Dunkelhaft und all der anderen Qualen war ich Natascha Kampusch geblieben.

Niemals würde ich jetzt, nach meiner Befreiung, dieses wichtigste Gut aufgeben: meine Identität. Ich trat mit meinem vollen Namen und mit unverhülltem Gesicht vor die Kameras und gab auch Einblicke in die Zeit der Gefangenschaft.

Aber trotz mei¬ner Offenheit ließen die Medien nicht locker, eine Schlagzeile jagte die nächste, immer abenteuerlichere Mutmaßungen bestimmten die Berichterstattung.

Es schien, als würde die grausame Wahrheit allein noch nicht grausam genug sein, als müsse man sie über ein erträg¬liches Maß hinaus ausschmücken und mir damit die Deutungshoheit über das Erlebte entziehen.

Das Haus, in dem ich so viele Jahre meines Lebens zwangsverbringen musste, wurde von Schaulustigen umlagert, jeder wollte den Schauer des Grauens spüren.

Für mich war es eine absolute Horrorvorstellung, dass ein perverser Bewunderer des Verbrechers dieses Haus kaufen könnte.

Eine Wallfahrtsstätte für jene, die ihre dunkelsten Fantasien darin verwirklicht sahen. Deshalb sorgte ich dafür, dass es nicht verkauft wurde, sondern mir als "Scha¬denersatz" zugesprochen wurde. Damit hatte ich einen Teil meiner Geschichte zurückerobert und unter Kontrolle.